Buchbesprechung

In der aktuellen Ausgabe „Blickpunkt Jugendhilfe“ des VPK-Bundesverbands privater Träger der freien Kinder-, Jugend und Sozialhilfe (Heft 5, 2017) ist eine Rezension des Buches „Sinnesspezifische Pädagogik®“ erschienen.
Wir freuen uns sehr über die Besprechung, die durch Werner Schipmann (VPK Bundesverband e.V.) erfolgt ist und wünschen viel Spaß beim Lesen…

Buchtitel SP-Buch

Jochen Sprenger: Sinnesspezifische Pädagogik

Janusz Korczak sagte, dass wir zu den Gefühlen von Kindern emporklimmen, uns ausstrecken, uns auf Zehenspitzen stellen müssen, um sie nicht zu verletzen.
Das hier rezensierte Buch von Jochen Sprenger beschäftigt sich inhaltlich mit Gefühlen von Kindern in der stationären Erziehungshilfe und stellt dar, welche Entlastung dieser methodische Ansatz für traumatisierte Kinder und Jugendliche hat, die bereits verletzt sind. Der Begriff „Trauma“ stammt übrigens aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie „Verletzung“ oder auch „Wunde“.

In den „Hilfen zur Erziehung“ nach dem SGB VIII werden zunehmend häufig traumatisierte Kinder und Jugendliche betreut. Die Zahl der von Jugendämtern in Obhut genommenen und in ihrem Wohl gefährdeten Kinder und Jugendliche sind seit Jahren deutlich angestiegen. Seriöse Schätzungen gehen davon aus, dass über 60 % der Kinder in stationären Erziehungshilfen psychische Störungen aufweisen.

Aus diesen Gründen bedarf es in den Einrichtungen der Hilfen zur Erziehung eines umfangreichen Fachwissens über Traumafolgen und deren Auswirkungen, um diesen Kindern und Jugendlichen fachlich gerecht zu werden und auf diese Weise einem Abbruch einer Hilfemaßnahme durch Überforderung vorzubeugen. Die Herausforderungen durch die Symptome von schwer traumatisierten Kindern und Jugendlichen an die pädagogischen Fachkräfte in den stationären Einrichtungen der Jugendhilfe sind dabei sehr groß.

In der Fachliteratur findet sich zwischenzeitlich zwar ein umfangreiches Angebot an therapeutischen Ansätzen zur Förderung psychisch kranker Kinder und Jugendliche – für die pädagogische Arbeit in Einrichtungen hingegen ist nach wie vor ein erhebliches Defizit zu konstatieren.
In diesen Mangel springt das Buch von Jochen Sprenger zum Thema „Sinnesspezifische Pädagogik“. Es hat dabei nicht den Anspruch der „eierlegenden Wollmilchsau“, sprich, für alle Kinder und Jugendliche geeignet zu sein. Diesem Anspruch kann ohnehin kein pädagogisches Konzept gerecht werden. Der Autor setzt sich im Buch zunächst mit den heutigen Bedingungen und Voraussetzungen von professioneller Erziehung in der Heimerziehung auseinander. Nach einer umfangreichen Betrachtung der stattgefundenen Entwicklungen von Kindern erfolgt eine Auseinandersetzung über den Erfolg von professionellen Hilfesettings im Sinne von Kindern und Jugendlichen mit Hilfebedarfen.

Bei dem Konzept der „Sinnesspezifischen Pädagogik“ (SP) handelt es sich – nach Feststellen des Autors – um ein „inhaltsfreies pädagogisches Konzept“, das bereits seit fast 20 Jahren erprobt ist und permanent durch die Praxis evaluiert wird. SP soll ein besonderes Vertrauensband (Bindung) zwischen Kind und Fachkräften herstellen und richtet sich insbesondere an die Arbeit von stationären Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe. SP fußt auf der Erkenntnis, dass Gefühle die maßgebliche Entscheidungsebene im menschlichen Handeln und Verhalten sind. Bei der SP steht die nonverbale Kommunikation im Zentrum. Der Ansatz gründet auf einer Dreistufenebene und trägt nach Angaben des Autors nachhaltig zu einer emotionalen Entlastung der Kinder und Jugendlichen in den stationären Hilfen bei.
Das Buch ist praxisorientiert und angenehm zu lesen. Der Ansatz von SP ist handlungsorientiert, nicht sprachorientiert und trägt den schwierigen Voraussetzungen und Bedingungen von Kindern und Jugendlichen in den stationären Erziehungshilfen mit dem intensiven Bemühen Rechnung, ihnen ein Angebot zu unterbreiten, das sie entlastet und ihre Persönlichkeit wie auch ihre Eigenerkenntnis stärkt.

Jugendhilfe braucht Vielfalt und Kompetenz – auch in seinen Zugängen und Methoden. Das Buch stellt in diesem Sinne eine Bereicherung dar und ist für Träger und Beschäftigte in den stationären Hilfesettings sehr lesens- und empfehlenswert.

Jochen Sprenger, Sinnesspezifische Pädagogik, Kronshagen 2017, ISBN: 978-3-943790-01-6, € 14,95

Werner Schipmann VPK-Bundesverband e.V.